Sinfonie der Architektur

Die Stimmung, die von der Baukunst ausgeht, kommt dem Effekt der Musik nahe – so schrieb Goethe einst über die Architektur. Demnach sind Frankens Städte voller Klang: eingefangen in prachtvollen Schlössern, stolzen Bürgerhäusern und modernen Kunstwerken.

Stolze Reichsstädter und Renaissance-Bürger, barocke Fürstbischöfe und Markgrafen, Liebhaber des Jugenstils und Vorreiter der Moderne haben Frankens Städte geprägt. Gerade ihre Architektur vereint deshalb auf hervorragende Weise die Jahrhunderte. Die verschiedenen Baustile der Gotik, der Renaissance, des Barocks, der Gründerzeit oder der Moderne sind dabei wie die einzelnen Sätze einer architektonischen Sinfonie. Jede steht für sich, doch sie klingen perfekt ineinander und ergeben so ein harmonisches Ganzes.

Ansbach

Die Ideenwelt des 18. Jahrhunderts

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Das Gesicht der Ansbacher Altstadt ist barock, geprägt von den Baumeistern Gabriel de Gabrieli, den Gebrüdern Zocha und von Leopoldo Retty.

Ihrem Erbe ist es zu verdanken, dass Ansbach auch heute noch ein einmaliges Ensemble barocker Stadtplanung und Architektur bietet. Die einstige Residenz der Markgrafen, Bürgerhäuser, aber auch der Predigtsaal der Sankt Gumbertus-Kirche sowie die Synagoge ermöglichen einen umfassenden Einblick in das 18. Jahrhundert.

Aschaffenburg

Rote Schönheit und Meister der Moderne

Schlossplatz bei Nacht (Aschaffenburg, Spessart-Mainland)

Aschaffenburgs Architektur vereint auf wunderbare Weise die Zeiten: Da thront ein Renaissance-Schloss über dem Main, nur wenige Meter weiter trifft man auf den Nachbau einer römischen Villa und in der Altstadt fügen sich mittelalterliche Fachwerkbauten aneinander.

Absoluter Höhepunkt Aschaffenburgs ist Schloss Johannisburg. Vier Flügel, vier vorspringende Türme, stattliche 52 Meter hoch, ein großer Innenhof: Das Schloss ist nicht nur ein Gesamtkunstwerk, sondern auch ein hervorragendes Beispiel für die deutsche Renaissance-Architektur.

Bamberg

Gesamtkunstwerk von Weltrang

Blick über die Altstadt

Die zum UNESCO-Welterbe geadelte Altstadt Bambergs gewährt einen tiefen Einblick in zehn Jahrhunderte Architekturgeschichte. 2018 jährt sich die Ernennung Bambergs zum UNESCO-Welterbe zum 25. Mal: Gefeiert wird mit einem Reigen an Veranstaltungen und besonderen Stadtführungen.

Wohnhäuser, Profanbauten, Sakralarchitektur und Paläste, aber auch die Stätten historischer Gewerbe und Handwerker finden sich im authentischen Stadtbild Bambergs wieder. Barock und pures Mittelalter gehen hier eine Synthese ein, die den Betrachter mit auf eine Zeitreise nimmt. Allein schon der Domplatz vereint Romanik, Gotik, Renaissance, Barock und Rokoko. Spannend ist aber auch der Dialog mit der Moderne, der sich durch die Skulpturen international bekannter Künstler ergibt, die ihre Werke im Altstadtareal präsentieren. Die Werke von Markus Lüpertz, Fernando Botero oder auch Jaume Plensa setzen hier bewusst Akzente.

Bayreuth

Der Ewigkeit ganz nah

Markgräfliches Opernhaus (Bayreuth, Fichtelgebirge)

Bayreuths Architektur ist vor allem bekannt für seine Eremitage, das Neue Schloss, Schloss und Park Fantaisie, für die über 50 Markgrafenkirchen in und um Bayreuth sowie natürlich das UNESCOWelterbe Markgräfliches Opernhaus.

Das Opernhaus gilt als schönstes erhaltenes Barocktheater Europas und fasziniert mit seinem prachtvollen Inneren. Sechs Jahre lang lag dieser Schatz hinter verschlossenen Türen verborgen: Im April 2018 sind die Sanierungsarbeiten endlich abgeschlossen und das Opernhaus wird wieder für alle Musik- und Kunstliebhaber sowie alle Neugierige geöffnet.

Coburg

Die heimliche Hauptstadt des Jugendstils

Marktplatz mit Prinz Albert Statue (Coburg, Coburg.Rennsteig)

Eigentlich ist Coburg als Hort der Renaissance und der Neugotik bekannt. Mit über 50 Jugendstil-Denkmälern könnte sich Coburg aber auch als „heimliche Hauptstadt“ dieser Epoche bezeichnen.

1904 wurde der Darmstäder Max Böhme Stadtbaumeister in Coburg. Auf ihn gehen die wichtigsten öffentlichen Coburger Jugendstilbauten zurück wie die Heiligkreuz-Schule, das Krematorium und die Aussegnungshalle des Hauptfriedhofs sowie das Ernst-Alexandrinen- Volksbad. Ein beinahe geschlossenes Ensemble herrlicher Jugendstilhäuser findet man zudem in der Mohrenstraße.

Dinkelsbühl

Lebendige Schönheit

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Eines der am „besten erhaltenen spätmittelalterlichen Stadtgebilde“ und laut „Focus“ überhaupt die „Schönste Altstadt Deutschlands“, das ist das mauerbewehrte Dinkelsbühl.

Superlative sind aber wenig wert, wenn die alte Bausubstanz nicht mit Leben gefüllt wird. Und das gelingt Dinkelsbühl vorbildlich. Als Beispiele genannt seien etwa das Hotel im Hezelhof, die Tourist-Information und das Museum „Haus der Geschichte“ im Alten Rathaus oder das Zeughaus der Kinderzeche. Durch die Zusammenführung von moderner Architektur in historischen Mauern punktet Dinkelsbühl nicht nur durch Schönheit, sondern auch durch eine quicklebendige Altstadt.

Eichstätt

Glanzlichter moderner Architektur

Journalistikbau Orangerie (Eichstätt, Naturpark Altmühltal)

Baukünstler des Mittelalters und barocke Baumeister hinterließen in Eichstätt Bauwerke von unvergänglicher Schönheit. Später waren es die Eichstätter Diözesanbaumeister, die ihre modernen Entwürfe in Beziehung zur historischen Bausubstanz setzten.

„Die Gegenwart leugnen hieße die Geschichte leugnen“: Unter diesem Credo schuf Diözesanbaumeister Karljosef Schattner in Eichstätt architektonische Höhepunkte. Schattners Genie bestand darin, eine Symbiose zwischen barocker Üppigkeit und schnörkelloser Strenge zu schaffen: Das zeigt sich meisterhaft etwa am ehemaligen Waisenhaus, der Orangerie oder am Ulmer Hof. 1992 folgte Karl Frey als Diözesanbaumeister. Er führte Schattners Tradition fort und setzte eigene Zeichen – wie etwa die Bibliothek in der ehemaligen Hofreitschule.

Erlangen

Die zwei Seiten der Markgrafenstadt

Marktplatzbrunnen (Erlangen, Städteregion Nürnberg)

Erlangen hat zwei architektonische Gesichter. Zum einen ist es ganz barocke Planstadt, zum anderen spiegelt sich im Stadtbild seine Bedeutung als Stadt der Wissenschaft wider.

Markgraf Christian Ernst erschuf im 17. Jahrhundert aus dem damals kleinen Ort Erlangen ein barockes Prunkstück. Für die aus Frankreich geflohenen Hugenotten ließ er die Erlanger „Neustadt“ als Plan- und Idealstadt errichten. Noch heute gehört sie zu den am besten erhaltenen Anlagen dieser Art in Deutschland. Erlangen ist aber genauso Medizin- und „Siemens“-Stadt. Dies hat sich in Erlangens moderner Architektur niedergeschlagen: Der „Himbeerpalast“, das „Siemens Healthineers MedMuseum“ oder das „Medical Valley Center“ gehören zu den prägenden Gebäuden.

Fürth

Bedeutende Industrie- und Handelsstadt

Hornschuchpromenade (Fürth, Städteregion Nürnberg)

Fürth gilt mit über 2.000 erhaltenen Baudenkmälern als Stadt mit der größten Dichte an Denkmälern in ganz Bayern.

Im frühen 19. Jahrhundert entwickelte sich Fürth zu einer bedeutenden Industrie- und Handelsstadt. Zeugnisse des Aufschwungs sind die Historismus- und Jugendstilhäuser in der Hornschuchpromenade und Königswarterstraße. Herausragende Bauten sind außerdem das von 1840 bis 1850 erbaute Rathaus und das im neobarocken Stil gehaltene Stadttheater. Nicht weniger sehenswert ist das etwas außerhalb gelegene, klassizistische Schloss Burgfarrnbach.

Kulmbach

Prachtbau der Renaissance

Plassenburg (Kulmbach, Frankenwald)

Fast 1.000 Jahre alt ist Kulmbach – das Stadtbild aber wird geprägt von Bürgerhäusern der Renaissance und des Barock.

Ein architektonisches Juwel ist das Rathaus mit seiner Rokokofassade. Ebenfalls sehenswert sind der historische Marktplatz, die Obere Stadt, die Spitalgasse sowie der Oberhacken. Imposant ist die Plassenburg als eines der größten Renaissance-Bauwerke Deutschlands. Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte sich Kulmbach zur Industriestadt. Viele Fabrikanten bauten in repräsentativem Stil – so ergänzen seitdem Stadthäuser und Villen das Bild Kulmbachs.

Nürnberg

Kostbarkeiten im Schutz der Kaiserburg

Neues Museum (Nürnberg, Städteregion Nürnberg)

Sandstein und Fachwerk sind die prägenden Elemente der mittelalterlichen Architektur Nürnbergs, überragt vom imposanten Bau der Kaiserburg.

Die Kaiserburg entstand um 1200 im romanischen Stil. Ab dem 15. Jahrhundert hielt die Gotik Einzug auf der Burg und in der Stadt. Allerdings baute nur die Oberschicht in Stein. Dem Rest war das Fachwerk vorbehalten, was sich im Albrecht-Dürer-Haus und etlichen Anwesen in der Weißgerbergasse zeigt. In der Renaissance entstanden viele Bürgerhäuser, Herrensitze und Prachtbauten. Beispiele für den Barock sind die Gärten in St. Johannis, für den Klassizismus die Elisabethkirche, für den Historismus der Justizpalast, für die Industrialisierung das Faberschloss und für den Jugendstil das Opernhaus. Während der Nationalsozialismus auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände spürbar wird, spiegeln das Germanische Nationalmuseum oder die Akademie der Bildenden Künste die Nachkriegszeit wider. Für die Gegenwart stehen unter anderem der Business Tower oder das Neue Museum.

Rothenburg ob der Tauber

Kleinod des Mittelalters und der Renaissance

Marktplatz (Rothenburg o.d.T., Romantisches Franken)

Wie in kaum einer anderen Stadt hat sich in Rothenburg ob der Tauber das Flair des Spätmittelalters und der Renaissance erhalten.

Das geschlossene Ensemble aus Tortürmen, harmonisch konzipierten Platzanlagen, Kirchen und städtischen Repräsentationsbauten macht den architektonischen Reiz Rothenburg ob der Taubers aus. Die architektonische Gesamtwirkung und die Einbettung in die Landschaft inspirierten um 1900 namhafte Architekten der englischen und deutschen Gartenstadtbewegung. Zu Anfang des 20. Jahrhunderts war die Stadt damit Sinnbild einer pittoresken Moderne – im Unterschied zur späteren Bauhaus-Moderne. Unter dem Leitthema „Pittoresk“ werden in den Jahren 2019 bis 2021 zahlreiche Ausstellungen und  Gästeführungen die Aspekte pittoresker Architektur und Gartengestaltungen in Rothenburg ob der Tauber erstmals öffentlich präsentieren.

Schweinfurt

Architektur im Fluss

Ebracher Hof (Schweinfurt, Fränkisches Weinland)

Schweinfurt präsentiert sich als Stadt der Industrie, Wissenschaft und Technik, in der Kunst und Architektur einen hohen Stellenwert einnehmen.

Mit dem Umbau des Renaissancebaus „Ebracher Hof“ zur Stadtbücherei oder dem Museum Georg Schäfer präsentiert die Stadt einzigartige Architektur. Vor allem der markante Kubus des Museums beeindruckt. Einen Höhepunkt der neusachlichen Architektur stellt die Kunsthalle im ehemaligen Ernst-Sachs-Bad dar. Ihr Kernstück ist der „White Cube“ der großen Schwimmhalle im Erdgeschoss – ein idealer Rahmen für die Präsentation moderner Kunst.

Würzburg

Meisterwerk des barocken Stararchitekten

Deckenfresko Residenz (Würzburg, Fränkisches weinland)

Würzburg vereint die Pracht des Barocks mit Höhepunkten der modernen Architektur und stellt somit dem UNESCO-Welterbe Residenz beeindruckende Bauten heutiger Architekten zur Seite.

Das „Schloss über allen Schlössern“ sollte die fürstbischöfliche Würzburger Residenz werden – und das gelang auch. Nach den Plänen von Balthasar Neumann entstand ein barocker Prachtbau, der heute zum Welterbe der UNESCO zählt. Neumann überspannte das mächtige Stiegenhaus mit einem freitragenden Muldengewölbe, das der Venezianer Giovanni Battista Tiepolo mit einem der größten Deckenfresken der Welt bedeckte. Im Kaisersaal, im „Grünlackierten Zimmer“, im Spiegelkabinett und in der Hofkirche setzt sich die Pracht fort. Eine äußerst geschickte Hand beweist Würzburg auch heute beim Umgang mit historischer Bausubstanz. Das zeigt sich etwa in der Umgestaltung der Augustinerkirche, im Museum am Dom oder beim Kulturspeicher am Alten Hafen.