Höhepunkte 2019

Architektur, Geschichte und Landschaft: In Frankens Städten gehören sie untrennbar zusammen. Besonders zeigen dies 2019 Rothenburg ob der Tauber, Eichstätt, Bamberg und Coburg.

Dass das Feiern und die Kunst fest zu Frankens Städten dazugehören, beweisen 2019 außerdem viele Festspiele, Konzertreihen, Kirchweihen und Weihnachtsmärkte. Sie füllen die Städte mit Leben und Genuss – poetisch, traditionell oder voller Rhythmus.

Pittoreskes Rothenburg ob der Tauber: Eine Stadt als Landschaftsgarten

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Von 2019 bis 2021 setzt Rothenburg ob der Tauber seine Bedeutung als Sinnbild der Moderne in den Mittelpunkt. Moderne in einer so mittelalterlich anmutenden Stadt? Ganz genau – es handelt sich hier im Gegensatz zu späteren Bauhaus-Zeit um die pittoreske Moderne.

Um 1900 inspirierte die architektonische Gesamtwirkung Rothenburgs und seine Einbettung in die Landschaft hoch über der Tauber namhafte Architekten der englischen und deutschen „Gartenstadtbewegung“. So wurden etwa die Planungen für die Londoner „Hampstead Garden Suburb“ und die erste deutsche Gartenstadt Hellerau bei Dresden erkennbar von Rothenburg ob der Tauber beeinflusst. Unter dem Thema „Pittoresk“ vergegenwärtigt Rothenburg ob der Tauber die Bedeutung seines Stadt- und Landschaftsbilds.

Dazu gehören Ausstellungen (ab 11. Oktober 2019 die Sonderausstellung „Malerisches Rothenburg - pittoreske Ansichten einst und jetzt“ im RothenburgMuseum) ebenso wie die Themenführung „Malerisches Rothenburg“. Dabei warten verwunschene Ecken, scheinbar vergessene Winkel und versteckte Gärten auf Wiederentdeckung. Wie sich das Pittoreske in der Musik ausdrückt, zeigen unter anderem das Flötenkonzert „Serenade an der Tauber"  (28. Juni 2019) oder das Konzert „Ein Fest für Auge und Ohr“ im Kaisersaal des Rathauses (30. Juni 2019). Auch der Karneval der Tiere“ von Camille Saint-Saens wird im Theatersaal des Rothenburger Wildbads zu hören sei. Zu einer musikalischen Landpartie auf Schloss Unternzenn bittet „Dein Lied – Internationales Festival des Liedes“ (12. bis 14. Juli 2019).

Der Architekt der Leichtigkeit wird 300: Eichstätt feiert Mauritio Pedetti

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2019 jährt sich der Geburtstag von Mauritio Pedetti (1719 bis 1799) zum 300. Mal. Er war der dritte und letzte der großen Barockbaumeister Eichstätts. Er verlieh der Stadt als architektonischem Gesamtkunstwerk den „Feinschliff“ – 2019 gedenkt Eichstätt seiner mit Führungen, Ausstellungen und Aktionen.

Mauritio Pedetti, geboren 1719, war der dritte in der Riege der genialen Baumeister, die die Eichstätter Fürstbischöfe an ihren Hof holten. Sie wollten, nachdem der Dreißigjährige Krieg die Stadt zerstört hatte, Eichstätt nach ihren Wünschen in barocker Pracht wie Phönix aus der Asche erstehen lassen. Pedettis Leistung in diesem architektonischen Gesamtkunstwerk war beachtlich: Er verlieh dem barocken Eichstätt den Feinschliff, in dem er etwa die bischöfliche Residenz mit ihrem strahlend weißen Treppenhaus und dem festlichen Spiegelsaal ausstattete. Sein Meisterwerk wurde die Ausgestaltung des Residenzplatzes, der ein Barockensemble von europäischen Rang darstellt. Auf Wunsch des Fürstbischofs widmete er diesen ganz der Marienverehrung. Blickpunkt des Platzes ist deshalb eine fast 24 Meter hohe Mariensäule. 

Zum 300. Geburtstag Pedettis ermöglicht Eichstätt bei Themenführungen einen Zugang zur Schönheit und Symbolik seiner Bauwerke. Diese eignen sich auch hervorragend als Kulisse für die Musikveranstaltungen, die das Jubiläumsjahr bereichern. Zu ihnen zählen die Pro Musica Konzerte (bis April 2019), das Musikfest
Eichstätt (9. bis 12. Mai 2019) und die Eichstätter Residenzfestspiele (28. Juni bis 18. August 2019).

Bedeutende Schauplätze der Geschichte: 100 Jahre Bamberger Verfassung

Altes Brückenrathaus, Bamberg

Verabschiedung der ersten demokratischen Verfassung der noch jungen Republik Bayern am 14. August 1919.

Dass der Bayerische Landtag dafür im fränkischen Bamberg und nicht wie sonst in München tagte, hatte seinen Grund in den Wirren der vorangegangenen Monate: Bayerns erster Ministerpräsident Kurt Eisner war kurz vorher ermordet, die bayerische Räterepublik blutig niedergeschlagen worden; im Landtag hatte es Schießereien gegeben. Deshalb verließen Landtag und Regierung München und wichen nach Franken aus.

Ein Bild jener bewegten Monate zeichnen der Festakt Ende Juli 2019 sowie die Veranstaltungen, Vorträge und Führungen, die in Bamberg anlässlich des Verfassungsjubiläums geplant sind; von April bis Ende August 2019 zeigt das Bamberger Stadtarchiv außerdem eine Ausstellung über die Zeit, in der Bamberg Regierungssitz war.

200 Jahre Queen Victoria und Prinz Albert

Marktplatz mit Prinz Albert Statue (Coburg, Coburg.Rennsteig)

Eine „royale“ Lovestory steht 2019 in Coburg im Mittelpunkt: Prinz Albert von Sachsen-Coburg und Gotha wurde vor 200 Jahren auf Schloss Rosenau bei Coburg geboren. Als Gemahl der britischen Königin Victoria entwickelte er sich zu einem der bedeutendsten Männer des 19. Jahrhunderts.

Wie kaum ein anderer stand Albert für den deutsch-britischen Kulturaustausch und eine nach Frieden strebende Politik. Auch seine Ehe mit Victoria stellte eine Besonderheit dar: Zwar wurde sie nach politischen Gesichtspunkten arrangiert, das Ehepaar verband aber eine innige Liebe.

Albert wurde wie seine Frau 1819 und damit vor 200 Jahren geboren: Diesen Doppelgeburtstag feiert Coburg mit Konzerten und Ausstellungen. So erklingt im Landestheater Coburg Musik von britischen Komponisten, das Puppenmuseum zeigt die Ausstellung „Typisch british – very deutsch“ (20. Mai bis 8. September 2019) und in der Landesbibliothek ist die Ausstellung „Heiß geliebt – Albert, Victoria und die Bücher“ zu sehen (18. Juli bis 25. Oktober 2019). Die jungen royalen Liebenden begleitet man außerdem beim Musical „Albert & Victoria“. Noch heute wacht Prinz Albert als Denkmal über den Coburger Marktplatz – virtuelle Begegnungen mit ihm ermöglichen außerdem die Kunstsammlungen der Veste Coburg. Die Online-Ausstellung „Prinz Albert, England und Europa“ nähert sich mit zahlreichen Objekten Coburgs berühmtesten Sohn.

Eröffnung des „Christian Schad Museums“

Im Juni 2019 eröffnet in Aschaffenburg das „Christian Schad Museum“: Es ermöglicht die Begegnung mit einem Pionier der künstlerischen Abstraktion und einem bedeutenden Maler der Neuen Sachlichkeit. Gleichzeitig ermöglicht ein Besuch einen Gang durch die europäische Kunst- und Kulturgeschichte des 20. Jahrhunderts.

Im Jahr 1942 lebte und arbeitete der im oberbayerischen Miesbach geborene Schad für einige Monate in Aschaffenburg. Sein Berliner Atelier wurde in dieser Zeit durch die Bomben des Zweiten Weltkriegs schwer beschädigt. Schads spätere Frau Bettina Mittelstädt rettete in einer spektakulären Aktion seine heute weltbekannten Gemälde und brachte sie nach Aschaffenburg. Aus der zunächst provisorischen Übergangssituation wurde ein vier Jahrzehnte währender Aufenthalt. Durch das neue Museum  im denkmalgeschützten Ensemble des ehemaligen Jesuitenkollegs wird Aschaffenburg nun zum international bedeutendsten Standort zu diesem wichtigen Protagonisten des 20. Jahrhunderts.

Einen zweiten Kunst-Höhepunkt setzt das KirchnerHAUS Aschaffenburg. In der Ausstellung „Flächenbrand Expressionismus“ (7. Februar bis 28. April 2019) präsentiert es bislang nicht gezeigte expressionistische Holzschnitte von Künstlern wie Wassily Kandinsky oder Aloys Wach.